Neu Wulmstorfs Bäder sind in Gefahr

Experten raten in einem neuen Konzept von der Sanierung des veralteten Hallen- und Freibads ab.
(Ein Bericht aus dem Hamburger Abendblatt, 28.4.2017 – Von Bianca Wilkens)

Die Vereine nutzen das Hallenbad regelmäßig. So trainieren hier unter anderem Christoph und Anina Lorenzen Schwimmer des TVV Neu Wulmstorf Foto: Bianca Wilkens / HA

Mit 50-Meter-Bahnen und einer idyllischen Lage können nicht viele Freibäder im Landkreis Harburg prahlen. Das Freibad Neu Wulmstorf hat genau das. Fragt sich nur, wie lange noch. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass weder das Hallenbad noch das Freibad in Neu Wulmstorf in ihrer bisherigen Form weiter bestehen können.

Dafür verschlingen die Bäder zu viel Geld. Das liegt vor allem daran, dass sie ihren Betrieb nicht kombiniert haben. Das Hallenbad befindet sich im Norden der Gemeinde neben der Grundschule an der Ernst-Moritz-Arndt-Straße. Das Freibad liegt am ganz anderen Ende – am Talweg im Süden. Jedes Jahr muss die Gemeinde 685.000 Euro Personal- und Betriebskosten aufbringen. Die Erlöse der Eintrittsgelder von insgesamt rund 60.000 Besuchern pro Jahr decken die Kosten bei weitem nicht ab. Die Bäder fahren jährlich ein Minus von rund 650.000 Euro ein.

Hinzu kommt ein gravierender Sanierungsstau, da die Bäder schon Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Das Hallenbad wurde 1971 eröffnet. Das Freibad ist 1963 in Betrieb gegangen. So ziemlich alles in den Bädern ist veraltet: Abwasserleitungen, Bodenbelag, Umkleidekabinen, die Beckenverrohrung, die Chlorgasanlage. „Wir sind in den vergangenen Jahren auf Sparflamme gegangen“, räumte Thomas Saunus, Fachbereichsleiter Ortsentwicklung, ein.

Denn bevor die Gemeinde weiter Geld in den Bädern versenkt, sollte eine grundlegende Entscheidung her, wie es überhaupt weitergehen soll. Wie eine solche Entscheidung aussehen kann, hat die Unternehmensberatung Prova GmbH aus Hamm am Mittwochabend im Sportausschuss vorgestellt.

Die Gemeinde hatte das Konzept vor zwei Jahren in Auftrag gegeben. Das Ergebnis ist düster. Es würde etwa sechs Millionen Euro kosten, um das Hallenbad und das Freibad wieder auf den neuesten Stand zu bringen. „Eine hohe Investition in ein Pferd, das hinkt“, sagte Frank Rose, Geschäftsführer der Prova GmbH. Zumal die Besucher an den bestehenden Bädern so einiges auszusetzen haben.

Das ist in einer zweimonatigen Befragung der Badbesucher, die die Prova-Unternehmensberatung im Zuge ihrer Untersuchung vorgenommen hat, deutlich geworden. Zahlreiche Besucher kritisierten, dass beide Bäder im Frühjahr zeitgleich geschlossen haben. Denn der Übergang von der Hallen- in die Freibadsaison ist in Neu Wulmstorf nicht fließend.

Bevor das Freibad seine Saison eröffnet, schließt das Hallenbad zwei Wochen früher. Auch die veralteten Dusch- und Umkleidekabinen fallen vielen Besuchern negativ auf. Zudem wünschen sie sich mehr Fitness- und Sportkurse.

Im Freibad bemängelten die Nutzer vor allem die zu kalte Wassertemperatur. Und so idyllisch das Freibad mit der großen Liegewiese auch ist – es fehlten dort die Parkplätze und ebenso Attraktionen und Spielmöglichkeiten für Kinder. Positiv beurteilten die befragten Besucher das freundliche Personal, das 25 Meter lange Sportbecken im Hallenbad sowie die 50-Meter-Bahnen und die großzügige Anlage im Freibad.

Auch das Preis-Leistungsverhältnis lobten viele. Die Unternehmensberater hingegen kamen zu einem niederschmetternden Ergebnis. Sie ermittelten einen Kostendeckungsgrad von 28,79 Prozent, der deutlich unter dem Mittelwert von 35 Prozent liegt. Rose führt die zahlreichen Vergünstigungen als Grund an. „Wer bei ihnen den regulären Eintritt von 3,50 Euro zahlt, ist selber schuld“, sagte er. Auch das große 50-Meter-Becken, der Stolz des Freibads, sei obsolet. Für die 35.000 Freibadbesucher reiche sogar eine Wasserfläche von 500 Quadratmeter aus.

Die Unternehmensberatung hat fünf Szenarien für die Zukunft entwickelt: Sanierung des Hallenbads und zugleich Schließen des Freibads, Sanierung des Hallenbads und des Freibads, Neubau eines Hallenbads, neues Kombibad am Freibadstandort sowie multifunktionales Bad mit privatem Betreiber. In jedem Fall empfehlen die Berater, sich von den zwei getrennten Standorten zu verabschieden. „Das sind zwei riesige Kostenblöcke“, sagte Rose.

Zudem seien am Standort Hallenbad kein Ausbau für eine Sauna, Wellnessanlage, Shop oder Gastronomie möglich. Die Prova GmbH spricht sich für einen Neubau aus. Das erfordere zwar eine höhere Investition, so Rose. „Dann wäre die Anlage aber auf dem aktuellen Stand der Technik und hätte ein attraktives Ganzjahresangebot.“

Nach dem Vorschlag von Prova sieht ein neues Kombibad so aus: Sportbecken mit fünf 25-Meter-Bahnen, Lehrschwimmbecken, 50 Quadratmeter großer Kindererlebnisbereich sowie Außenbecken mit integriertem Nichtschwimmerteil. Kosten: rund sieben Millionen Euro.

Großes Potenzial sieht das Unternehmen in einem Neubau mit Saunaanlage und gekoppelt mit Gesundheitsangeboten, da dieser Markt in der Region noch unterbesetzt sei – Szenario Nummer fünf. Das ist allerdings mit 14 Millionen Euro auch die teuerste Variante. Eines ist nach der Vorstellung der Unternehmensberatung klar: Wer noch Hoffnung hatte, dass alles bleibt wie es ist, kann sie spätestens jetzt begraben.

Hallenbad schließt:

Die Hallenbadsaison endet in zwei Wochen. Der letzte Tag, an dem die Schwimmer das Hallenbad nutzen können, ist Sonntag, 14. Mai. Die Öffnungszeiten sind: montags, dienstags, mittwochs und freitags, 15 bis 21 Uhr, sonnabends, 14 Uhr bis 19 Uhr und sonntags, 8 Uhr bis 13 Uhr.
Die Vorbereitungen für den Beginn der Freibadsaison laufen bereits. Schwimmmeister Dieter Berger ist täglich im Freibad, um das Becken und die Anlagen für den bevorstehenden Betrieb zu säubern.
Das Freibad eröffnet die Saison am Sonntag, 28. Mai. Das Bad ist montags, 13 Uhr bis 20 Uhr, dienstags und mittwochs, 8 Uhr bis 20 Uhr, donnerstags und freitags, 10 Uhr bis 20 Uhr, sonnabends und sonntags, 10 Uhr bis 19.15 Uhr.
Die Schulen und Vereine in Neu Wulmstorf nutzen die Bäder in hohem Maße. Im vergangenen Jahr waren es 18.389 Schüler und 12.654 Vereinsschwimmer. Sowohl die Mitglieder des DRK als auch der DLRG, des TVV und der Seniorengruppen schwimmen hier regelmäßig.

(bwil)

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