Sportstättenbau in Neu Wulmstorf

Dank unerwartet hoher Steuereinnahmen hat sich Neu Wulmstorfs Finanzlage erstmals seit Jahren deutlich entspannt. Die CDU im Gemeinderat will die Gunst der Stunde nutzen und kräftig in die Sportstätten investieren. (aus Harburger v. 14.12.11)

Neu Wulmstorf. Drei große Projekte, die wegen der argen Finanznot aufgeschoben worden waren, sollen jetzt fast zeitgleich durchgezogen werden. Doch kann sich die Gemeinde das leisten, die gerade erst unter dem Diktat des Sparzwangs die Steuern erhöht hat?

Der TSV Elstorf soll einen neuen Kunstrasenplatz bekommen. Kostenpunkt: rund 650 000 Euro. Eine halbe Millionen Euro will die Gemeinde dafür locker machen, rund 150 000 Euro will der Verein an Eigenleistung einbringen. Nach bisheriger Planung sollte der neue Platz ab 2014 in Angriff genommen werden. Jetzt will die CDU das Projekt vorziehen, das Geld schon im nächsten Jahr bereitstellen.

Dazu stehen noch zwei weitere Sportvorhaben auf dem Zettel: An der Grundschule Breslauer Straße im Hauptort will die Gemeinde bis 2015 eine neue große Dreifeldhalle bauen. Kostenpunkt: rund 3,1 Millionen Euro. 2013 sollen die Planungen beginnen. Das dritte Projekt: Ab 2015 soll das Sportzentrum des TVV im Bassental um einen zusätzlichen Rasenplatz erweitert werden. Das neue Fußballfeld war zuletzt mit einer Millionen Euro veranschlagt.

Ob sich die Gemeinde alle drei Projekte jetzt fast zeitgleich leisten kann und sollte, ist politisch umstritten. Tatsache ist: Nach Jahren tiefer Haushaltslöcher, heftigster Finanznöte und Sparauflagen rechnet Neu Wulmstorf für 2011 erstmals seit Langem wieder mit einem ausgeglichenen Haushalt, nach derzeitigem Stand sogar mit einem Überschuss von 40 000 Euro. Der Grund: Die Gewerbe- und andere Steuereinnahmen sind höher ausgefallen als erwartet. „Die Lage ist deutlich entspannter als noch vor Jahresfrist. Für uns ist es daher an der Zeit, dringend benötigte Investitionen in die Sportstätten vorzeitig zu realisieren. Die Vereine leisten so hervorragende Arbeit, da wäre es geradezu fahrlässig, hier nicht unterstützend tätig zu werden“, begründet CDU-Fraktionschef Malte Kanebley den Vorstoß seiner Partei.

Ob diese dafür im Rat eine Mehrheit findet, ist noch offen. „Ich mahne zur Vorsicht und rate, nicht jeden Cent gleich wieder auszugeben“, warnt Neu Wulmstorfs Bürgermeister Wolf Rosenzweig (SPD). Wie schnell sich die konjunkturelle Lage wieder ändern kann, habe Neu Wulmstorf selbst in der Vergangenheit schmerzhaft erlebt. „Und die Euro-Krise ist erst am Anfang“, glaubt Rosenzweig. So sieht das auch SPD-Fraktionschef Tobias Handtke. Die SPD hält den Bau der neuen Sporthalle an der Schule für vordringlich und sieht „momentan keinen Spielraum“, den Platz für Elstorf auch noch vorzuziehen. Statt nun gleich wieder aus dem Vollen zu schöpfen und Wahlgeschenke zu verteilen, wolle die SPD lieber die Rücklagen weiter bis auf 250 000 Euro erhöhen – nicht zuletzt angesichts der allgemeinen Euro- und Schuldenkrise, sagt Handtke: „Wir sollten auch auf kommunaler Ebene beginnen, der Entwicklung um uns herum Rechnung zu tragen.“

Claudia Michaelis

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